Rügen wirkt auf der Karte kompakt, fährt sich aber nicht so. Die Insel ist ein Verbund von Halbinseln, die schmale Landengen und Brücken zusammenhalten; dazwischen liegen flache Bodden, schroffe Kreideküste und alter Buchenwald. Kurvenjäger kommen hier nicht auf ihre Kosten — Rügen ist flach, die Höhepunkte heißen Küste, Kontrast und kurze Wege mit großem Szenenwechsel. Wer weiß, welche Ecke was liefert, fährt an einem Tag durch mehr Landschaften als auf mancher Mittelgebirgsrunde.
Die Anfahrt – Brücke oder Damm

Auf die Insel führen zwei Strelasund-Querungen, und die Wahl macht einen Unterschied. Die Rügenbrücke von 2007 ist eine hohe Schrägseilbrücke: Schiffe passieren darunter, der Verkehr rollt ohne Halt hinüber — die schnelle Variante. Der ältere Rügendamm ist der reizvollere Weg. Er führt erst über die Ziegelgrabenbrücke, eine Klappbrücke, die zu festen Zeiten für größere Schiffe aufklappt, dann über die kleine Insel Dänholm und die Strelasundbrücke nach Rügen. Wer den Damm nimmt, sollte die Öffnungszeiten kennen — sonst steht man vor der offenen Klappe.
Bergen – die Inselmitte als Drehscheibe

Bergen auf Rügen liegt fast im geografischen Zentrum, und hier kreuzen sich die Hauptachsen — von hier fächern die Strecken nach Norden, Osten und Süden auf. Als größte Stadt der Insel ist Bergen der Versorgungspunkt für Sprit, Werkstatt und Einkauf, bevor es in die dünner besiedelten Ecken geht. Über der Stadt liegt der bewaldete Rugard; der Ernst-Moritz-Arndt-Turm auf der Kuppe gibt einen weiten Rundblick über die flache Insel — ein guter erster Überblick, um die Ziele einzuordnen.
Südwest-Rügen und Putbus – die stille Seite

Gleich hinter der Querung lohnt der Abstecher weg von der Bundesstraße. Die Halbinsel Drigge schiebt sich in den Strelasund, über Gustow und Poseritz ziehen ruhige Nebenstrecken nach Putbus. Die weiße Residenzstadt mit Circus und Markt ist ein Halt wert; das Schloss selbst fehlt — es wurde 1962 gesprengt und abgetragen. In Lauterbach am Wasser hat der Rasende Roland seinen westlichen Ausgangspunkt. Dieser Inselteil bekommt vom Tagestourismus am wenigsten ab und fährt sich entsprechend leer.
Südost-Rügen – Bäderarchitektur, Granitz und der Rasende Roland
Der Südosten ist die Postkartenseite. Über die Ostseebäder Binz, Sellin und Baabe geht es auf die Halbinsel Mönchgut hinunter bis Thiessow, wo die Straße am Wasser endet. Auf Teilen der Route kreuzt der Rasende Roland, die schmalspurige Dampfbahn zwischen Putbus und Göhren — an den unbeschrankten Übergängen also mit Gegenverkehr der besonderen Art rechnen.

In Sellin stößt die Seebrücke 394 Meter in die Ostsee, die längste der Insel; aufs Brückenhaus führen 87 Stufen. Landseitig umrundet man die Granitz, einen bewaldeten Höhenrücken im Biosphärenreservat Südost-Rügen. Auf dem Kamm steht das Jagdschloss Granitz, das Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus errichten ließ. Im Mittelturm windet sich eine freitragende gusseiserne Wendeltreppe 38 Meter nach oben, durch ein enges Schlupfloch auf die Plattform — von dort überblickt man den halben Südosten.
Nördlich von Binz zieht sich in Prora der kilometerlange Block des früheren KdF-Seebads durch den Kiefernwald — ab 1936 als Massenquartier für Zehntausende Urlauber geplant, nie als Bad vollendet. Heute sind Teile saniert, andere Ruine; ein Bauwerk, an dem man schwer vorbeifährt, ohne zu halten.
Jasmund – Kreide, UNESCO-Buchenwald und der Königsstuhl
Hinter dem Fährhafen Sassnitz steigt die Straße in die Stubnitz, den Buchenwald des Nationalparks Jasmund — die alten Bestände gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe der Buchenwälder. Am Steilküstenabschnitt Stubbenkammer liegt das bekannteste Motiv der Insel: die Kreidefelsen am Königsstuhl. Für die Planung wichtig: Bis zur Kante ist ein Fußmarsch nötig, direkt heranfahren geht nicht — geparkt wird in Hagen, weiter per Shuttle oder zu Fuß. Wer sich Eintritt und Weg spart, nimmt die kostenlose Victoria-Sicht ein Stück daneben; von dort hat man die klassische Ansicht des Königsstuhls samt Kliff.
Wittow und Kap Arkona – über Nehrung oder Fähre an die Nordspitze
Nach Wittow, der nördlichsten Halbinsel, führen zwei Wege. Der bekannte verläuft von Glowe über die Schaabe, eine schmale Nehrung mit offener Ostsee zur Rechten und dem Großen Jasmunder Bodden zur Linken. Die Abkürzung für alle, die aus dem Inselwesten kommen, ist die Wittower Fähre über den schmalen Rassower Strom — ein kleines Schiff, bei Andrang also Wartezeit einplanen. Am Nordzipfel liegen Putgarten und dahinter Kap Arkona mit seinen beiden Leuchttürmen.
Ein Hinweis, der Zeit und Geld spart: Das Kap selbst ist für Kraftfahrzeuge gesperrt. Wer über Putgarten anfährt, zahlt Parkgebühr und legt den Rest zu Fuß, per Kutsche oder Bahn zurück — Türme und Steilküste sind aber auch vom Strand aus gut zu sehen.
Was auf der Insel zu beachten ist
Die Hauptachsen und die Zubringer zu den Bädern sind in der Saison voll; die Nebenstrecken bleiben oft leer. Wer früh startet, hat die Insel weitgehend für sich. Abseits der Hauptstraßen trifft man auf enge Alleen und Abschnitte mit altem Kopfsteinpflaster, die bei Nässe ernst zu nehmen sind. Und weil Rügen aus Halbinseln besteht, bringt fast jeder Abstecher denselben Rückweg mit: Stichstraßen enden am Wasser, echte Rundkurse gibt es nur im Inselinneren. Wer die Ostsee weiter auskosten will, findet auf der Nachbarinsel Usedom und entlang der Festlandsküste eigene Reviere.