Bäderorte, Sommerverkehr und die richtige Reisezeit
Die weiße Bäderarchitektur ist ein Fahrziel eigener Art, allerdings eines mit Schrittgeschwindigkeit. Die Ortskerne von Binz, Sellin, Baabe und Göhren sind verkehrsberuhigt, die Promenaden sind Fußgängerbereiche, die Zufahrten laufen in Einbahnschleifen. Man fährt also nicht durch die Kulisse, man fährt an ihren Rand und geht hinein. Dafür führen die Villenstraßen hinter den Promenaden mitten durch die Bäderarchitektur – enge, schattige Straßen zwischen Holzveranden, oft mit gepflastertem Belag, der nass sehr rutschig wird. Dasselbe gilt für die klassizistische Anlage in Putbus, wo Pflaster und geometrische Straßenführung zusammenkommen.

Der zweite Faktor ist die Saison. In Juli und August ist die Insel voll, und zwar mit klarem Tagesrhythmus: Vormittags füllen sich die Parkflächen in den Bädern und an den Nationalpark-Zugängen, nachmittags läuft alles wieder Richtung Quartier. An Wochenenden kommt der Reiseverkehr über die Hochbrücke dazu. Ein Motorrad kommt in vielen Situationen leichter durch als ein Auto, aber die Parkflächen an Küstenzielen sind organisiert, und wer spät kommt, steht weit draußen.
Der Ausweg ist banal und funktioniert zuverlässig: früh losfahren. Zwischen Sonnenaufgang und etwa zehn Uhr sind die Alleen leer, die Küstenstraßen frei und die Parkplätze offen. Genauso lohnt der Blick auf die Randmonate. Im Mai und September fährt sich dasselbe Straßennetz vollkommen anders – ohne Kolonne vor jedem Ortseingang und ohne die Suche nach einer Lücke am Kap.
Beste Reisezeit und Ostsee-Klima auf Rügen
Wann es sich am schönsten fährt
Die beste Zeit für eine Motorradtour über Rügen liegt zwischen Mai und Oktober. Der Frühsommer bringt lange, helle Tage und blühende Alleen, der Hochsommer das wärmste Badewetter – allerdings auch den dichtesten Verkehr. Fahrerisch am stärksten sind September und Oktober: mildes Licht, leere Straßen, die Kraniche an den Bodden und ein Buchenwald, der sich verfärbt. Das Ostsee-Reizklima ist klar und kühl, der Wind auf der exponierten Insel ein ständiger Begleiter – auf den offenen Strecken Richtung Kap Arkona oder über die Boddenbrücken kräftig genug, um die Fahrlinie zu versetzen. Das Wetter wechselt über der Ostsee schnell: Ein bedeckter Vormittag sagt wenig über den Nachmittag.