
Mecklenburg West – Ostsee
An der Ostseeküste genossen wir Motorradtouren über Inseln und durch das Mecklenburgische Hinterland gleichermaßen – Tourentipp vom M&R Lesertreffen Ostsee 2018
Rügen
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

An der Ostseeküste genossen wir Motorradtouren über Inseln und durch das Mecklenburgische Hinterland gleichermaßen – Tourentipp vom M&R Lesertreffen Ostsee 2018

Einmal rund um Rügen, so lautet das Motto dieser Tour, die sich spannender gestaltet, als man glaubt.

Wunderschöne rote Felder, sie läuten jedes Jahr den Sommer ein und bieten ein zauberhaftes Naturschauspiel. Schon allein dafür, lohnt sich ein Motorradausflug.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das „Gold“ liegt so nah?Wir hatten die Planung zu unserer großen Ostseeküsten-Scouting-Tour begonnen, da schlug sie vor, dass wir in Zukunft doch auch einmal die polnische Ostseeküste mit in unser…

Einmal Kontrastprogramm bitte – so wird es auf Rügen zumindest für Motorradfahrer sein, die üblicherweise bergiges Terrain bevorzugen.

Die reizvollen Küstenabschnitte von Dänemark und Schweden werden auf dieser Motorradtour entlang der Nordlichtrunde entdeckt.
Wer über den alten Rügendamm anreist statt über die hohe Strelasundquerung, teilt sich die Route mit der Schifffahrt. Die Ziegelgrabenbrücke im Zuge des Damms ist eine Klappbrücke: Für Schiffe, die den Ziegelgraben zwischen dem Festland bei Stralsund und der kleinen Insel Dänholm passieren, klappt die Fahrbahn hoch, und der Straßenverkehr steht. Das ist keine Sache von Sekunden wie an einer Ampel — eine Öffnung samt Durchfahrt der Schiffe und erneutem Schließen zieht sich, und in dieser Zeit staut sich alles zurück, was gerade auf den Damm will.

Für die Planung ist entscheidend: Die Öffnungen folgen einem festen Fahrplan mit mehreren Terminen am Tag, nicht dem Zufall. Die genauen Zeiten wechseln saisonal und werden veröffentlicht — vor der Tour prüfen, sobald der Damm auf der Strecke liegt. Wer flexibel ist, legt die Querung zwischen zwei Öffnungen; wer eine erwischt, plant sie besser gleich als kurze Pause ein, statt sich im Pulk aus Wohnmobilen und Lieferwagen die Wartezeit auf dem Standstreifen zu vertreiben.
Die schnelle Alternative bleibt dagegen immer frei: Die 2007 eröffnete Schrägseilbrücke führt hoch genug über das Wasser, dass die Schiffe darunter durchfahren — hier hält der Verkehr nie an. Wer es eilig hat oder die Klappzeiten nicht im Kopf hat, nimmt die neue Brücke. Wer den Damm wegen der Aussicht und der Fahrt über Dänholm bewusst wählt, sollte die nächste Öffnung kennen, sonst wird aus der reizvolleren Variante ein Zwangsstopp.
Rügen hängt an Brücken, aber zwei kleine Autofähren sparen Umwege, die sich in Kilometern und Zeit deutlich bemerkbar machen. Beide sind saisonabhängig und haben begrenzte Kapazität; für Motorräder ist das selten ein Problem, weil Zweiräder wenig Platz brauchen und meist noch mit auf die laufende Überfahrt kommen. Fest verlassen sollte man sich außerhalb der Saison und bei schlechtem Wetter trotzdem nicht auf sie — Betriebszeiten, Fahrpreise und ob überhaupt gefahren wird, vor der Tour prüfen und eine Ausweichroute im Kopf behalten.
Die Glewitzer Fähre setzt über den Strelasund zwischen dem Festland bei Stahlbrode und dem Anleger Glewitz auf der Halbinsel Zudar im Süden Rügens über. Wer aus Richtung Greifswald, Usedom oder der vorpommerschen Küste kommt, erreicht darüber direkt den Süden der Insel und spart die Schleife über Stralsund samt Brücken. Für eine Rundtour ist das ein echter Gewinn: einmal hin über die Brücke, zurück über die Fähre — so nimmt man den Strelasund einmal von oben und einmal von der Wasserlinie mit, ohne dieselbe Strecke doppelt zu fahren.
Die Wittower Fähre verbindet das Rügener Kernland mit der Nordhalbinsel Wittow über den schmalen Rassower Strom; die Überfahrt selbst dauert nur Minuten. Sie ist die Abkürzung für alle, die aus dem Inselwesten zum Kap Arkona wollen und sich den langen Bogen über Glowe und die Schaabe sparen. In der Hauptsaison bildet sich vor dem Anleger eine Warteschlange aus Pkw und Wohnmobilen — Motorräder reihen sich ein, kommen wegen des geringen Platzbedarfs aber häufig früher mit. Wer die Fähre fest einplant, sollte die Landverbindung über die Schaabe als Rückfallebene kennen, falls der Betrieb gerade ruht.
Der Südosten ist landschaftlich der Höhepunkt und verkehrlich der heikelste Teil der Insel. Hier greifen Naturschutz, enge Orte und Tourismus ineinander — wer das vorher einplant, spart sich den Frust an Sackgassen und vollen Parkplätzen.
Mönchgut gehört zum Biosphärenreservat Südost-Rügen. Große Teile stehen unter Schutz, das Straßennetz ist entsprechend dünn und die Zufahrten zu den Dörfern wie Gager, Groß Zicker, Lobbe oder nach Thiessow sind überwiegend Stichstraßen, die am Wasser enden. Echte Rundkurse gibt es hier kaum — jeder Abstecher bringt denselben Rückweg mit, und in den Schutzgebieten führt keine durchgehende Straße ans Ufer. Für Motorräder ist das kein Sperrgebiet, aber ein Teil, den man rollen lässt statt drückt: enge Ortslagen, teils Kopfsteinpflaster, und ein Ziel, das man besser vorher kennt, weil man es anfährt und wieder zurück muss, statt durchzufahren.
In Binz, Sellin, Baabe und Göhren ist der Verkehr in der Saison dicht und die Bewirtschaftung des Parkraums streng. Zu rechnen ist mit kostenpflichtigen Parkplätzen und einer Kurabgabe; die Strandpromenaden und Teile der Ortskerne sind autofrei oder Fußgängerbereich, dorthin kommt man nur zu Fuß. Ausgewiesene Motorradstellplätze sind knapp — wer sicher abstellen will, nutzt am besten einen bewirtschafteten Parkplatz am Ortsrand und geht das kurze Stück. Höhe der Kurabgabe, Parkgebühren und die genauen Zonen wechseln je Ort und Saison, deshalb vorab oder vor Ort prüfen. Am entspanntesten sind die Bäder früh am Morgen, bevor der Tagestourismus einsetzt.
Strecke: Bergen – Sagard – Hagen (Parkplatz Königsstuhl, Shuttle zum Skywalk) – Lohme – Sassnitz – zurück über die B96.
Etwa 70 bis 90 km, halber bis ganzer Tag mit Besichtigung.
Einkehr: Hafen Sassnitz oder Lohme mit Blick auf die Steilküste.
Highlight: Königsstuhl und Skywalk im UNESCO-Buchenwald.
Strecke: Bergen – Wittower Fähre auf die Halbinsel Wittow – Altenkirchen – Putgarten (Parken, zu Fuß oder per Arkona-Bahn zum Kap und nach Vitt) – Breege/Juliusruh – zurück.
Etwa 90 bis 110 km, ganzer Tag.
Einkehr: Putgarten oder das Ostseebad Juliusruh.
Highlight: die Türme am Kap Arkona, das Fischerdorf Vitt und die kurze Überfahrt mit der Wittower Fähre.
Strecke: Binz – Sellin – Baabe – Göhren – Halbinsel Mönchgut (Gager, Thiessow) – zurück über die B196.
Etwa 60 bis 80 km, halber Tag plus Strandpausen.
Einkehr: Strandpromenade Sellin nahe der Seebrücke.
Highlight: Bäderarchitektur, Sellinger Seebrücke und die ruhige Spitze von Mönchgut.
Strecke: Bergen – Gingst – Schaprode – Insel Ummanz – zurück über Trent.
Etwa 70 bis 90 km, halber bis ganzer Tag.
Einkehr: Schaprode am Fähranleger mit Blick Richtung Hiddensee.
Highlight: stille Boddenlandschaft, weite Alleen und der Ausblick auf die autofreie Nachbarinsel Hiddensee.
Strecke: Rügen – über die Rügenbrücke nach Stralsund (Altstadt, Ozeaneum) – zurück auf die Insel – Putbus mit Bahnhof des Rasenden Roland.
Etwa 80 bis 100 km, ganzer Tag mit Stadtbesichtigung.
Einkehr: Hafen Stralsund oder der klassizistische Circus in Putbus.
Highlight: die hohe Strelasundquerung und die fürstliche Residenzstadt Putbus mit dem Rasenden Roland.
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